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Keine Macht der Moral!: Politik jenseits von Gut und Böse (German Edition)

von Norbert Bolz

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Intro -- Titel -- Inhalt -- Entmoralisierung und Remoralisierung der Politik -- Die antike Kontrastfolie -- Machiavelli und die Selbstbehauptung des Politischen -- Hobbes und die Konstruktion des modernen Staates -- Hegel und die Vernünftigkeit des Wirklichen -- Max Weber und der Pakt mit dem Teufel -- Carl Schmitt und die Faszination des Ausnahmezustandes -- Exkurs über das Kulturhindernis der Aggression -- Rousseau und das Weltgericht -- Literatur -- Impressum.… (mehr)
Kürzlich hinzugefügt vonClu98, Echnaton

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Wer moralisch entrüstet ist, kann nicht mehr klar denken.

Jahrhundertelang steckte der Mensch im Moralischen fest, das die Kirche und die Obrigkeit dauerhaft und verlässlich gezimmert hatten. Die Verbote schränkten ein und ließen Wissenschaft und Fortschritt als Gletscher fest vereist. Erst die Befreiung davon, 1000 Dank an Abbé Meslier und Voltaire, Diderot und viele andere, setzte die europäische Aufklärung in Gang. Ein Fortschritt, der mit persönlicher Freiheit und wissenschaftlichem Denken Menschen loseiste und die erleichterten, be-freiten Daseinsmöglichkeiten von heute möglich machte.

Heute wollen Politiker vor diese Aufklärung zurück, indem sie Menschen in moralischen Kategorien einmauern und Menschen zu sinistren Befehlsempfängern herabwürdigen. „So kollabiert die Differenz zwischen Politik und Moral im politischen Moralismus von heute. Das ist der Grund für den Niedergang der Debattenkultur und die Ohnmacht der Argumente. Denn das Moralisieren macht jede Verständigung unmöglich.“

Und weil dem Sozialismus das Proletariat abhanden kam, weil dieses kleinbürgerlich wurde, wird heute grün revolutioniert. „Man könnte von einer grünen Inversion der Revolution sprechen – von Marx zurück zu Rousseau. In den revolutionären Träumen hat die Ökodiktatur die Diktatur des Proletariats ersetzt.“

Jahrhundertelang steckte der Mensch aber auch im Glauben an eine gerechtigkeitsschaffende Ewigkeit fest, er war im Wissen an das immerwährende Leben in sicherer Hülle eingesponnen, die ihm Kraft und Gleichmut im irdischen Wahnsinn und Schrecken gab. Die Technisierung und das Projekt der Aufklärung lösten Gewissheiten und traditionelle Ordnungsvorstellungen ab. Kein Wunder, dass die offene, schmerzende Wunde (fehlendes Versprechen auf ewiges Leben) heute von Heilsbringern aller Art umso lauter gefüllt wird. "Die neuen Jakobiner beschwichtigen ihr schlechtes Gewissen, indem sie sich als das Gewissen der Gesellschaft aufspielen – als Mahner vor dem ökologischen Weltuntergang, als Anwälte der unterdrückten Minderheiten und als unerschrockene Antifaschisten im »Kampf gegen rechts«.

Die neue globalistische, grüne Revolution nutzt Mechanismen alter Religionen und spielt sich gott-gleich zu Verkündern der Apokalypse auf, ohne aber das ewige Leben im Angebot zu haben. Die Folge sind Frust, Verdammnis und Ausgrenzung von Gegnern, schlimmer noch als dies im Mittelalter möglich war. „Das 21. Jh. hat als Zeitalter der emotionalen Inkontinenz begonnen: Die Wahrheit muss verletzten Gefühlen weichen. Das Gutmenschentum ist ein religiöser Ersatz, man orientiert sich wieder an Moral und Unmoral, Schuld und Sühne. Im Zentrum stehen die Selbstanklage, wer sich verweigert, wird exkommuniziert.“

Weil heute aber ewiges Leben im Set des Möglichen nicht vorhanden ist, muss die Selbstanklage immer brutalere, kompensatorische Züge annehmen, die Selbstgeiselung wird zum Schwungrad der Reden von Politikern, Aktivisten und Kollektivisten. Sie stehen sozusagen mit leeren Händen vor den Opferaltären und versuchen fehlendes Versprechen durch immer mehr Rauch zu übertünchen. Dem früheren Opfern auf den heiligen Öfen folgt heute das Tot-Stellen auf Straßen und Plätzen, das Abhängen an Autobahnbrücken und Verhungern auf Straßen.

Damit ist man direkt bei der Cancel Culture, den modernen, alchemistischen Hohepriestern, die den neuen Plagen der Menschheit den Garaus machen, in dem sie quakende Querdenker zerschlägt und die Heuschrecken von Rechtsgesinnten verbrennt, auf dem öffentlichen Opferaltären der ÖR ebenso wie im Parlament, in dem alles Vernünftige mit der Keule der Moral vertrieben wird. Man höre die geifernde Rede eines Özdemir, wenn er nach rechts rüber blickt und den Bürgern zuraunt, mal endlich die Fresse zu halten. Kretschmann gar meint, dass Demokratie bedeute, dass man zu gehorchen habe.

Wer rettet uns davor? Zunächst mal die Einsicht in die philosophisch begründeten Zusammenhänge, hier in diesem Buch glasklar offen gelegt. Aber wer von den Studienabbrechern und Anwälte in den Parlamenten mag oder kann das noch begreifen? Viel einfacher ist doch Moralisieren und weitere Verschärfung bzw. Ausufern von Gesetzen. So viele lecken sich die Finger danach und gieren nach weiteren Rauchsäulen.

Ich stelle mir Leser dieses Buches vor, aus der Hochmoral, sagen wir mal Steinmeier oder Laschet, Baerbock oder Esken, Özdemir oder Lindh, die einen solchen Text von Norbert Bolz studieren und in die Tiefen ihres kindlichen, apokalyptischen Sündenstolzes geführt werden. Würde einer von diesen begreifen, was Norbert Bolz mit den angeführten Denkern wie Machiavelli, Hobbes, Rousseau, Hegel, Nietzsche, Freud, Max Weber und erhellt? Ich habe große Zweifel. Leider.

Enzensberger hat schon 1994 formuliert: „In der Abenddämmerung der Sozialdemokratie hat dagegen Rousseau noch einmal gesiegt. Sie haben nicht die Produktionsmittel, sondern die Therapie verstaatlicht. Dass der Mensch von Natur aus gut sei, diese merkwürdige Idee hat in der Sozialarbeit heute ihr letztes Reservat. Pastorale Motive gehen dabei eine seltsame Mischung ein mit angejahrten Milieu- und Sozialisationstheorien und mit einer entkernten Version der Psychoanalyse. Solche Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab.“ („Aussichten auf den Bürgerkrieg“, 1994, S. 37)

Die Emanzipation des Politischen von der Moralität aber ermöglichte erst die Konstruktion des modernen Staates, sie war der Treiber von Wissenschaft und Fortschritt. Geben wir diesem Denken wieder den Vorrang. Norbert Bolz hat mit seinem Schluss-Kapitel „Rousseau und das Weltgericht“ den Nagel auf den Kopf getroffen.

Die Hinwendung zum ewigen Leben kann trotzdem ein Schwungrad sein, das uns weiterbringt. Z.B. in Form einer Medizin, die das letzten große Rätsel lösen könnte: die Alterung der Zellen. Schon der Glaube daran könnte Berge versetzen. Ein sehr gutes Buch als Ergänzung zu den Gedanken von Norbert Bolz kommt von Stephen Cave: „Unsterblich: Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben als Triebkraft unserer Zivilisation.“ ( )
  Clu98 | Feb 18, 2023 |
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